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German Laser Sailing Class Association - Deutsche Laserklasse DLAS

Die Euro Masters Germany - IDMa 2018 21. – 23. September 2018 auf der Insel Reichenau im Bodensee war ein großartiger Erfolg mit 86 Teilnehmern (53 Standards  und 33 Radial).

Gastgebender Verein waren die Jollensegler Reichenau - und sie haben die Party echt gerockt - und damit meine ich nicht nur die Band Veteranilli - Oldie, Rock und Rheuma am Samstagabend - sondern auch die gesamte Organisation an Land und auf dem Wasser.
Die Ruhe auf dem Startschiff bei stark drehenden Winden, die Revierkenntnis  und das Timing insgesamt 5 Läufe an nur zwei Tagen zu segeln (Samstag sorgte der Fön für eine Pause) - haben wir Masters sehr genossen. Krönender Abschluss war der Gruß von der Gemüseinsel Reichenau, den jeder Segler in Form eines großen Gemüsekorbes mit nehmen durfte.

Wir haben von Freitag bis Sonntag eine großartige Zeit bei den Jollenseglern Reichenau verbracht.


Und hier weitere detaillierte Eindrücke:

Anreise

Trotz der langen Anreise von über 800 km haben sich diverse Nordlichter gen Süden aufgemacht. Viele hatten aufgrund der eher unsicheren Windverhältnisse von der langen Reise abgesehen und waren im Norden geblieben. Sie sollten sich getäuscht haben!

 

Da wir am Donnerstag noch wenigstens einen halben Tag arbeiten mussten, kamen wir erst am späten Nachmittag aus Bremen los. Nach einem Boxen-Stop zum Essen gegen 21:30 auf halber Strecke beim all-you-can Chinesen und einer wild kurvigen Umleitung kurz vor dem Ziel rollten wir gegen 2 Uhr auf das Gelände und haben uns irgendwie im Dunkel bis ganz nachvorne durchgetastet:

 


Freitag Morgen -  Cali mit Aussicht

Zum Glück ist Roger auch erst spät eingetrudelt und lag noch bei Licht im Wagen. So konnten wir mit seiner Hilfe den Laser noch vom Dach bekommen und im Dach ein richtig bequemes Bett für die kurze Nacht nutzen.


Das Wetter und der Wind
Für Freitag waren auffrischende westliche Winde bis 22 kn angesagt und die Düse aus dem Rheintal sollte noch ihren Teil dazu beitragen. Die Prognose für Samstag war unsicher, daher beschloss die Regattaleitung auf jeden Fall drei Läufe zu segeln - das hat Freitag gut geklappt, blieb aber nicht so ;-)

Die Windaussichten für Sonntag waren vormittags auch eher unstabil und sollten sich im Laufe des Nachmittags zum Sturm auswachsen - hier die Prognosen im Bild:

Freitag - Nach einer herzlichen Begrüßung durch die Jollensegler und den Bürgermeister war pünktliches Auslaufen angezeigt, da wir bis ins Regattagebiet ganz auf die andere Seite der Insel wechseln mussten. Das bedeutete gute 45 min Anreise…

Oben das Regattagebiet mit dem ZigZag meines GPS der drei Läufe, die wir in 6 h am Freitag abgesegelt haben (die 88,5 km/h max. sind sicherlich eine Fehlmessung - wir segeln schließlich Laser und nicht Motte;-), aber die 38,29 km sind schon eine respektierliche Distanz.

 

Im Regattagebiet angekommen, fing der Wind sofort an immer weiter aufzufrischen.
Alle hatten gut damit zu tun sich mit der kurzen steilen Welle anzufreunden, die schnell anfing sich aufzubauen.
Zum Nachempfinden hier die Kursdaten meiner drei Rennen im Bild. Wer die Daten selbst bei GoogleEarth laden will findet hier die Dateien (21.09.2018 -KML und 23.09.2018 - KML)


Race 1


Race 2


Race 3

   Da der Wind und die steile Welle für einige Teilnehmer ungewohnt war, wurde im Verlaufe des Tages ordentlich gebadet. Da gilt die alte Regel, bist Du nicht in besonders gutem Trainingszustand, ist nach drei Kenterungen mit Vollbad die Heimfahrt in den Hafen vorprogrammiert.


Kenterungen

Nach sechs Stunden intensiven Segeln kamen wir alle gut durchgerockt vom Wasser und waren recht entzückt, als wir mit frisch gezapftem Bier am Festzelt begrüßt wurden.
Boot abbauen, duschen kurz erholen und schon wurde das Abendessen serviert. Lokale Spezialität: Spätzle mit Linsen klingt für norddeutsche Ohren ungewöhnlich - war aber sehr lecker…

… im Anschluss an das Essen haben wir unsere Mitgliederversammlung der Laser Masters abgehalten und Ralf Marten unseren scheidenden Masterssprecher verabschiedet…

… und Nico Schäfferling neu ins Amt gewählt.

Die meisten Segler sind nach dem langen Tag recht früh erschöpft in die Federn gekrochen.
 

Samstag - Die Windvorhersage blieb instabil und es sah beim Frühstück auch eher nach einem schönen, warmen Sonnen- denn nach einem Segeltag aus. Da die Vorhersage für Sonntag extreme Windverhältnisse ankündigt, verspricht die Wettfahrtleitung vollmundig vier Läufe und lässt sich diesen nicht klasse-konformen Plan von den anwesenden Seglern durch Abstimmung bestätigen.
Gegen 11:00 laufen wir zum ersten Versuch aus, obwohl der See bleiern da liegt. Gegen 13:00 sind wir, nachdem wir uns zwei Stunden auf dem See "rumgetrieben" haben, alle zurück an Land. Gegen 15:00 starten wir zum zweiten Versuch noch wenigstens einen oder zwei der angestrebten vier Läufe zu schaffen…
… vergeblich. Der Föhn bricht immer wieder in die leichte westliche Strömung ein, baut sich aber nicht weiter auf.
Also wieder Abbruch. Da wir weit in die Bucht hinaus gefahren waren, zog sich der Rückweg hin. Also ab vor den Mast und nach Hause pumpen. Erlösung bringt die Schlepphilfe der Begleitboote.

Trotz fehlender Segelaction am Tage waren wir alle hungrig und sehr neugierig auf das Gemüse Buffet mit Crêpes. Wir wurden nicht enttäuscht!
Es muss der ganze Verein geschnippelt haben während wir auf dem Wasser waren - das Ergebnis lässt sich sehen  - unglaubliche Berge an Gemüse und ein kaum abreißender Strom an Crêpes - sehr lecker und sehr gesund.

Nach dem Essen gab es eine sehr unterhaltsame Weinverköstigung mit vielen lokalen Anekdoten zum Wein und der Möglichkeit ausgiebig selbst zu testen.
Leicht angetüddert - wie wir im Norden sagen - fiel es noch leichter das Tanzbein zu den coolen Rhythmen aus den 60ern bis 80ern der Veteranillis zu schwingen. Gerade unsere niederländischen Mitsegler waren nicht zu stoppen.

Sonntag - die Vorhersage stand weiter auf Sturm für den Nachmittag. Plan war es also möglichst früh rauszugehen und ein Maximum an Läufen zusammenzubekommen.
Der Wind konnte sich ähnlich wie Samstag nicht recht für Süd oder West entscheiden. So dauerte es recht lange bis der zum ausgelegten Kurs passte.
Im ersten Lauf hat Michael "Murks" Nissen einen sauber herausgefahrener 1. Platz hingelegt. Grundlage dafür war seine Entscheidung für einen Start am Pin. Warum erklärte er Ralf nach dem Rennen "das war doch genau wie bei der deutschen Meisterschaft 2007 links raus umgelegt und hat gepasst…". Auf jeden Fall war es sehr erfolgreich!
Auch für den zweiten Start war die Windsituation sehr wechselhaft. Zweimal kippte der Wind innerhalb der fünf Minuten Vorstartphase soweit nach links, das abgebrochen werden musste.
Als der Start schließlich klappte, startet ich in diesem letzten Lauf in DAS Rennen meines Lebens:

In einer massiven Linkskippe vor dem Start war ich zu weit am Pin und in der Zweiten Reihe. Kurz Rückwärts. Kurz Gekentert. Kurz Sonnenbrille versenkt. Kurz auf Backbord umgelegt. 40 sec zum Start und eine dicke Traube Boote am Pin. Also kurz einen neuen Platz an der Linie gesucht um den Pulk zu umgehen. 


Zweimal BFD bei der Arbeit 

Dann der Startschuss und alle auch weit unter der Linie legen um. Ich bin auf Steuerbordbug, lasse aber alle Drängler passieren und kann frei am Pin starten. Als ich nach 100m umlege, habe ich bis auf drei Boote alle im Fenster. Jetzt bloß tief und schnell fahren, denn mit dem Dreher hatte der Wind stark aufgefrischt. Am Luvfass war ich Vierter. Roger Schulz, Stefan Magnei und Marlon gingen vor mir auf direkten Kurs zum Gate. Da ich auf der Startkreuz über Links viel mehr Druck hatte, entschied ich mich downwind über rechts zu gehen...
... die Bö hielt bis zum Gate und brachte mir 300m Vorsprung (auch weil sich Roger gleich zu Beginn des downwind hingelegt hat), den Vorsprung habe ich auf der zweiten Kreuz gut verteidigt -  auch weil sich Roger in einem Dreher ein weiteres Mal diesmal nach Luv gekentert ist.


Zweite Kreuz und ich weit vorne weg ;-) (als Gyde das Foto machte, dachte sie ich wäre vielleicht ganz hinten dran …)

Da bin ich schon um das Luvfass und der Photograph ist hinter mir  - auf  meinem GPS Log ist dies der Moment in dem ich 23,1 km erreicht habe.


Am Ende konnte ich Roger beim Zieleinlauf Filmen ;-)
Ein seeeehr geiler Ritt!

Auch die Rückkehr in den Hafen war eine echte Gaudi. Ich lasse Bilder Sprechen:


In der Spitze erreichte der Wind  während dieser 5ten und letzten Wettfahrt 25-34 kn. Als Folge wurde reichlich gebadet und viele waren schnell so erschöpft, dass sie das Rennen abgebrochen haben und in den Hafen zurückgekehrt sind.


... und Schwerter mit Armen zerschlagen… (nein das ist kein großer Schatten!)

Sehr glücklich und nach weiteren Fotos der einlaufenden Teilnehmer kehrte ich in den Hafen zurück und war überrascht von der kollegialen Freude über meinen wilden und erfolgreichen Ritt - viele kamen und klatschten mich ab, hatten aber genauso tröstende Worte für Jan O. Schulz, der auf dem zweiten Downwind seinen Mast verloren hatte.

Auch Alexandra Behrens konnte am Sonntag ihre Starkwindfähigkeiten ausspielen - hier ihre Eindrücke:

Nachdem ich in der vierten Wettfahrt schon wieder völlig unnötig gekentert war, und zwar schon wieder in aussichtsreicher Position (2. – wie sich später herausstellte hatte ich in der Ersten allerdings einen OCS...), wollte ich eigentlich meinen Laser verkaufen oder verschenken und doch mit Gruppenvoltigieren anfangen. 
Der nette Zuspruch meiner Mitsegler, z.B. Christian: „Deine Haare sehen jetzt nach dem Baden echt super aus, wie frisch gespült.“, bewog mich dann aber dazu, es noch einmal mit einer Wettfahrt zu versuchen.

Die ging am Start zwar erstmal gründlich schief (Pin-End-Starts müssen noch geübt werden...), aber als kurz danach der angekündigte Sturm einsetzte und es nur noch darum ging, nicht allzu oft zu kentern, konnte ich meine bei der Masters-WM in Dublin erworbenen Fähigkeiten voll ausspielen. Beim ersten Vorwindschenkel sah es so aus, als ob das Radialfeld auf dem Heimweg in den Hafen war, aber ich bemerkte irgendwann, dass die Konkurrenz Halbwind mit Q-Wende fuhr.

Der direkte Weg zur Tonne war schneller, so dass ich in Führung gehen konnte. Die hatte ich bis zur Luvtonne immer noch, kenterte dann aber beim Abfallen an der Ablauftonne. Nach einem weiteren adrenalingeladenen Vorwindkurs (wieder überhalsig direkt zur Tonne) war ich dann wieder vorn. Wunderbarerweise ließ der Wind an der Leetonne ein wenig nach und ermöglichte mir eine Halse ohne Kentern. Kurz nach meinem Zieldurchgang ging nach Aussage der Wettfahrtleitung die Sturmwarnlampe an.

Nun habe ich die erste Wettfahrt in meinem Seglerleben gewonnen, freue mich sehr und werde doch weitermachen. Danke an die Jollensegler Reichenau, dass Ihr diese Wettfahrt so cool durchgezogen habt. 

 

Siegerehrung
Die abschließende Siegerehrung im Hof der Klosteranlage war ein Erlebnis für sich. Vor traumhafter Kulisse bei stürmischem Wind und vor den bereitstehenden Gemüsebergen wurden alle Meister geehrt und jeder Teilnehmer ging mit ca. 5 kg Gemüse nach Hause.


Ergebnisse
Radial
Overall

  1. Thomas Büttner
  2. Dietrich Schilling
  3. Beatrix Fontius

Masters

  1. Thomas Büttner
  2. Beatrix Fontius
  3. Alexandra Behrens

(kein Bild)

Grand Masters

  1. Peter Nietsch
  2. Peter Kraus
  3. Rudolf Freund

Great Grand Masters

  1. Dietrich Schilling
  2. Wolfgang Fuss
  3. Andreas Ruckensteiner

Legend

  1. Werner Winter
  2. Robert Prachatik
  3. Gerard Jeannot

Frauen

  1. Beatrix Fontius
  2. Alexandra Behrens
  3. Birgit Riemann

 

Standard
Overall

  1. Roger Schulz
  2. Wolfgang Gerz
  3. Michael Nissen

Apprentice

  1. Nico Schäfferling
  2. Jens Sattmann
  3. Christian Werbelow

Masters

  1. Roger Schulz
  2. Jan O. Schulz
  3. Marlon Walter

Grand Masters

  1. Beat Heinz
  2. Ralf Marten
  3. Mauro Lentini

Great Grand Masters

  1. Wolfgang Gerz
  2. Michael Nissen
  3. Yves D. Spichiger

(kein Bild)

 

Hier geht es zu den Ergebnissen auf der Seite der Jollensegler

Ralf Martens Schlussansprache in Auszügen im Video.

Weitere Bilder aus verschiedenen Quellen findet Ihr hier auf Flickr.

... gerne zitiere ich hier die Jollensegler Reichenau mit ihrem Motto:
… und insgesamt wissen wir ja alle
„Es muss viel mehr Regatta gesegelt werden “

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Carsten
 

 
 
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